Dienstag, 8. Juni 2010

Go West & go Home

Alaska HWY, Atlin Lake, Whitehorse

4. bis 8. Juni

Der Alaska HWY führt uns wieder gen Westen, so langsam machen wir uns auf den Rückweg nach Whitehorse - allerdings nicht ohne einen Abstecher nach British Columbia, über die Atlin Road am Atlin Lake vorbei...



Atlin selbst liegt am Ende des Sees, mit Blick auf den Lewellyn Gletscher. Es ist total idyllisch und hübsch hier, überall alte Häuschen mit Infoschildern, was hier einmal war.



Als Campground wählen wir eine  super gelegene Rest Area direkt am Atlin Lake, mit Zugang zum Wasser. Vom HWY aus ist der Platz nicht einsehbar, so dass wir hier ganz allein sind.


Zurück in Whitehorse.
Wir geben den Truck zurück und beziehen unser Hotelzimmer.
Bei Fraserway hat man uns die Führung in der Yukon Brewery Ltd. (direkt gegenüber der Vermietstation) empfohlen. Die Zeit bis dahin vertreiben wir uns mit der Suche nach Souvenirs und einem Spaziergang an der Waterfront.




Die Tour ist superinteressant, von dieser kleinen (besser: winzigen!) Brauerei aus wird der gesamte Yukon beliefert.
Hier wird alles noch per Hand gemacht, die Dosen gefüllt, der Deckel angeschraubt, die Etiketten geklebt, die Kartons verpackt... einfach der Hammer! Schmecken tut das Bier auch sehr gut, wir dürfen alle ausgiebig kosten... :-)



Seit unserer Ankunft aus Frankfurt hat sich Whitehorse total verändert - oder sind wir es? Es wirkt jetzt richtig nett, die Sonne knallt, überall sind Leute unterwegs, es ist total wuselig. Es bietet sich ein ganz anderes Bild als noch vor 3 Wochen...


Nach dem obligatorischen Frühstück bei Tim Horton´s bringt uns der Shuttle zum Airport. Aufgrund unserer Sitzplatzreservierung und dem geringen Andrang am Schalter geht das Einchecken sehr schnell, so dass wir nur noch die 3 Std. bis zum Flug rumkriegen müssen. Zum Glück dürfen wir das Gebäude noch verlassen, um uns draussen ein bisschen in die Sonne zu setzen.
...und als wolle er uns verabschieden, fliegt ein Weisskopfseeadler über unsere Köpfe und setzt sich nicht weit entfernt in die Bäume...
Endlich geht´s los, unsere Maschine überfliegt auf dem Weg nach Anchorage den Kluane National Park. Jetzt können wir auch mal von oben sehen, wie gigantisch die Landschaften hier sind... nicht, dass die 6450km, die wir hinter uns haben, uns nicht schon einen Eindruck vermittelt hätten ;-)
Drei Wochen im Yukon und Alaska - während wir dort waren, kam uns die Zeit vor wie eine Ewigkeit und doch war es viel zu schnell vorbei. Jetzt heisst es, alles gesehene in Ruhe zu verarbeiten.





Donnerstag, 3. Juni 2010

Durch den Klondike, in den Schilderwald

Klondike HWY, Campbell HWY, Watson Lake

2. bis 3. Juni 2010

Die Fahrt den Klondike HWY entlang führt am Gravel Lake vorbei, weiter südlich genehmigen wir uns eine Kaffeepause an der Moose Creek Lodge. Es ist total süss gemacht hier, sehr urig.


Nach einem Fotostop an den Five Finger Rapids und Tanken in Carmacks wechseln wir auf den Campbell HWY, der nach Osten führt. Hier finden wir auch einen sehr schönen, kleinen Campground. Unsere Site liegt 5 m vom Seeufer entfernt, nach einem kurzen Wolkenbruch mit Hagel während des Aufbaus können wir uns an diesem idyllischen Blick kaum satt sehen.



Endlich der Abzweig zur South Canol Road - na super, die Strasse ist geschlossen! Wie wir später hören, ist die Strasse unterspült worden und ein ganzes Stück herausgebrochen.

Was nun? Zurück ist doof, also müssen wir doch den langen Weg über Watson Lake nehmen... Irgendwie ist es ein Deja-Vu des Dempsters, denn die Strasse wird enger, ist eigentlich nur noch ein Schotter-Waldweg. Die nächsten 354 km gibt es keinen Service - aber auch null Verkehr.



Wer glaubt, der Dempster sei einsam, sollte den Campbell fahren... DAS ist einsam, ganze 2 Std begegnen wir niemandem. Der Truck sieht am Ende des Tages total schmierig aus, da wir später in Regen geraten und der HWY zu etwa 80% über Schotter führt.


Dann zeigen sich die Vorzüge dieser Einsamkeit: erst überquert vor uns ein Luchs ganz langsam den HWY (wir können nur noch seine Hinterpfoten fotografieren), dann noch ein Schwarzbär. Er steht am Strassenrand und schaut uns an. Als wir näher kommen, überquert er gemütlich den HWY.
Etwa 50 km vor Watson Lake begegnen wir dann dem Dritten im Bunde, hinter einem Strauch steht friedlich kauend ein weiterer Schwarzbär und schaut uns an...


Der Campbell HWY mündet in Watson Lake in den Alaska HWY - direkt am berühmten Sign Post Forest. 1942 hing ein heimwehkranker Arbeiter ein Schild mit dem Namen seines Heimatortes an einen Mast - bis heute sind über 67.000 Schilder dazugekommen!

Das ist total beeindruckend, irgendwie verbreiten die Schilder einen Hauch von Ewigkeit.



Dienstag, 1. Juni 2010

Die Reise durch das Nichts

Dempster HWY

29. Mai bis 1. Juni

Der Dempster HWY zweigt etwa 40 km ausserhalb von Dawson City vom Klondike HWY nach Norden ab und führt 750 km als einzige Strasse Kanadas ans Nordmeer, nach Inuvik, also "mal eben" 750 km - auf einer Strecke!


Am Tombstone Mountain kann man einen ersten Eindruck erlangen, in welchen Dimensionen wir uns hier bewegen.


Der HWY führt einen nicht sprichtwörtlich, sondern tatsächlich durch das Nichts - rundherum gibt es nur Wildnis, keine Siedlungen, nichts... das ganze ist atemberaubend, man kann kaum begreifen, wie gross und weit es hier oben ist. Als die Landschaft sich zur Tundra ändert, wird es noch deutlicher, denn der HWY führt als graues Band einfach mitten hindurch, endlose km durch leere, aber wunderschöne Landschaften.

Fotostop mit Blick auf den Elephant
Rock und kleine Pause am Red Creek - die in ihm enthaltenen Mineralien färben sogar das Eis rot. Als wir allerdings die Reste eine Bärenmahlzeit am Strassenrand finden, möchten wir nur noch schnell weiter...
 
Vom Ogilvie River Viewpoint aus haben wir einen hervorragenden Blick auf das Tal und das Gewitter, das heranzieht. Auf den nächsten zig km fahren wir mal hinein, mal hinaus, bis wir dann in Eagle Plains unseren ersten Zwischenstop erreichen.
Die knapp 40 km zum Artic Circle folgt der Dempster den Richardson Mountains, die nördlichsten Ausläufer der Rocky Mountains. Wie ein Band schneidet er die weite Tundra-Ebene in zwei Hälften, wo wir auf einmal 2 Grizzlies im Gras rechts neben der Strasse entdecken! Sie liegen einfach dort rum und sonnen sich.

Die Grenze zu den North Western Territories liegt auf einer Passhöhe und bietet einen herrlichen Blick in die Weiten der Landschaft.



Der Weg führt ins McKenzie Delta, wo der Dempster nun wieder durch endlosen Wald führt - fast, als sei man wieder am Anfang. Nur sehr schwer können wir die Ausmasse dieser Tour begreifen, wir fahren stundenlang durch die gleiche Landschaft, km um km, und haben das Gefühl, noch immer am gleichen Platz zu sein. Am McKenzie River wartet die nächste Fähre, diesmal haben wir sogar einen "Beifahrer". Die Fähre macht einen Zwischenstopp bei Tsiigehtchic, dann geht es über den Fluss, weiter zum HWY, der nur noch schnurgerade durch trockenen Wald führt. Es ist recht eintönig, nichts zu schauen...


Leider fällt Inuvik gegenüber der Erwartung total ab... Am Eingang zum Ort ist es sauber, ordentlich, doch je weiter man hinein fährt, desto übler wird es. Es ist dreckig und runtergekommen. Die lange Fahrt war umsonst, es hat sich überhaupt nicht gelohnt!



Entgegen der Aussagen im Visitor Centre in Dawson ist auch noch nichts geöffnet, wir müssen über Nacht auf dem Parkplatz des Flughafens stehen.


Die Rückfahrt startet früh, der Himmel ist ein bisschen diesig. Die wenigen, uns entgegenkommenden Fahrzeuge sind schon zig km weit durch die Staubwolke hinter ihnen erkennbar. Wieder nehmen wir zweimal die Fähre, die Eintönigkeit der Wälder wirkt wie ein Tunnel, an dessen Ende irgendwann die Richardson Mountains und die Tundra auftauchen wie das rettende Licht... Da ist der Polarfuchs, der am HWY entlang läuft, eine willkommene Abwechslung!


An der Grenze NWT´s/Yukon machen wir eine Pause. Von hier oben können wir sehen, dass ein Truck (er war mit uns auf der zweiten Fähre, das Auf- und Abfahren war echte Milimeterarbeit) auf dem HWY steht, etwa an der Stelle, an der wir gestern die Grizzlies gesehen hatten. Sollten sie etwa heute auch noch dort liegen?
 
Das tun sie, aber etwas näher diesmal, vielleicht so 20, 30 m von uns entfernt!
Am Arctic Circle treffen wir auf 2 Miners, mit denen wir einige Zeit quatschen, u.a. zeigen wir ihnen die Fotos der Bären. Die beiden vermuten, dass dies 2-jährige Geschwister sind, die vielleicht gerade von ihrer Mutter verstossen wurden. 


..heute scheint unser Glückstag zu sein, wieder auf dem Dempster begegnet uns noch ein Grizzly, diesmal läuft er vor uns über die Strasse und verschwindet direkt wieder zwischen den Bäumen.


In Eagle Plains angekommen, dürfen wir wieder kostenlos campen (es ist ja immer noch nicht der 1. Juni :-)), diesmal in Gesellschaft eines Huskies.


Km um km nähern wir uns dem Ende des Dempster...
An einem der Not-Airstrips steht ein Flugzeug, wir halten und werden direkt gefragt, ob wir zu Crew gehören... äähhhn, nein. So unterhalten wir uns ein bisschen mit einem Mitglied der Filmcrew um Owen Wilson und Steve Martin, die hier gerade ihren neuesten Film drehen. Weiter südlich treffen wir dann auf an Ansammlung von Motorhomes, mobilen Umkleiden, Kameras, Security, etc... innerhalb von 2 Tagen hat man hier ein Filmset aufgebaut. Owen Wilson läuft auch durch die Scenerie.
 
Etwa zwischen km 50 und 35 wird es total diesig, Brandgeruch liegt in der Luft, hinter den Bergen können wir dichte Rauchwolken und roten Schimmer erkennen - ein Waldbrand! Am Ende des Dempster, in der Klondike River Lodge, wird uns später erzählt, dass momentan 8 Waldbrände ausgebrochen sind.
1500km Staub und ein bisschen Schlamm hinterlassen deutliche Spuren am Truck, er muss erst einmal in die Reinigung.

Resumee Dempster HWY

Den Dempster zu fahren ist Wildniserlebnis pur, vier Tage im Nichts, totale Einsamkeit und grandiose Natur. Allerdings kann man sich unserer Meinung nach die Strecke nördlich der Grenze zu den NWT´s sparen, denn Fort McPherson und Inuvik sind alles andere als Sehenswürdigkeiten. Auch bietet die Landschaft hier oben keine neuen Aspekte mehr. Dass wir hier Grizzlies gesehen haben, war eine besondere Erfahrung, die uns sehr beeindruckt hat.